Schlüsselpartner Fachinnung für Elektrotechnik Aachen: Was Gebäudesystemintegrator:innen heute lernen – praxisnah entwickelt

Elektriker in orangefarbenem Helm bohrt in eine Wand, umgeben von vielen Kabeln und Leitungen für die Elektroinstallation.

Moderne Gebäude sind längst mehr als „Strom und Licht“. Photovoltaik, Wärmepumpe, Wallbox, Lichtmanagement, Beschattung, Zutritts- und Sicherheitssysteme – all das muss zuverlässig zusammenspielen. Genau hier setzt der Ausbildungsberuf Elektroniker/in für Gebäudesystemintegration (GSI) an: Er verbindet klassische Elektrotechnik mit digitaler Vernetzung und macht aus Einzelkomponenten ein funktionierendes Gesamtsystem aus Energieerzeugung, -speicherung und -verbrauch, aus Komfortfunktionen, Sicherheitstechnik und digitaler Kommunikation. Am Berufskolleg Nord der StädteRegion Aachen (Standort Alsdorf) wird dieser Bildungsgang als 3,5-jährige duale Ausbildung angeboten. Schulleiter Thomas Stephan und Bildungsgangleiter Heinrich Wolters haben sich maßgeblich für die Einrichtung des Schulstandortes eingesetzt.

Dass der Start in der Region gelungen ist, hat vor allem mit der Fachinnung für Elektrotechnik Aachen zu tun: Jürgen Bohlen (Vorsitzender des Prüfungsausschusses) und Heribert Reske (BK Nord) leiten bereits seit vielen Jahren sehr erfolgreich den klassischen Prüfungsausschuss für Elektroniker/innen Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik. Unter der Leitung von Thorsten Schmitz (Vorsitzender des Prüfungsausschusses) und ebenfalls Heinrich Wolters wurde nun der neue Prüfungsausschuss gebildet.

Mit ihrer Nähe zu den Betrieben, ihrem Praxiswissen und ihrem Blick für zukünftige Marktanforderungen war die Innung entscheidend daran beteiligt, den Rahmenlehrplan praxisnah auszurichten, damit Auszubildende genau die Kompetenzen erwerben, die Betriebe und Kundinnen und Kunden in modernen Gebäuden erwarten. „Gebäudesystemintegration ist ein echter Zukunftsberuf: Wer heute Energie, Komfort und Sicherheit vernetzt, schafft messbaren Nutzen für Kundinnen und Kunden. Vom effizienten Energiemanagement bis zur smarten Automatisierung ist alles dabei. Uns als Innung war wichtig, dass der Rahmenlehrplan praxisnah ist und Betriebe genau die Kompetenzen bekommen, die sie im Alltag brauchen.“, betont Sven Ohligschläger, Obermeister der Fachinnung für Elektrotechnik Aachen.

Technische Schwerpunkte: Vom Gebäude zum intelligenten System

Der Unterricht am Berufskolleg Nord adressiert zentrale Technologien der Gebäudedigitalisierung. Zu den Themenfeldern zählen unter anderem:

  • IT- und Netzwerktechnik als Grundlage: von PC-Basics bis zur sauberen Struktur für zuverlässige Kommunikation im Gebäude.
  • Gebäudenetzwerke (KNX, DALI): Planung, Inbetriebnahme und Parametrierung – etwa für Licht, Szenen, Beschattung und weitere Automationsfunktionen.
  • Bussysteme der Anlagentechnik (EEBus, LON, BACnet): wichtig, wenn Gebäudeautomation, Energiemanagement und TGA herstellerübergreifend integriert werden sollen.
  • E-Mobilität und regenerative Energieerzeugung: Einbindung von Ladeinfrastruktur und Energieflüssen – von PV bis zur intelligenten Verbrauchersteuerung.
  • Brandschutz und Objektüberwachung: Sicherheitstechnik als Teil vernetzter Systemlandschaften – inklusive strukturierter Dokumentation.
  • Digitale Planung (BIM) und CAE-Systeme (z. B. DDS-CAD, Caddy, Hagar-CAD): von der Planung bis zur nachvollziehbaren Projektdokumentation.

Die Ausbildung greift gezielt die Technologien auf, die Betriebe und Kundschaft in Neubau, Sanierung und Zweckbau zunehmend erwarten. Thorsten Schmitz, Vorsitzender des Prüfungsausschusses, macht den Anspruch an Ausbildung und Prüfung klar: „Gebäudesystemintegratorinnen und -integratoren müssen Schnittstellen sicher beherrschen, sowohl technisch als auch dokumentatorisch. In der Prüfung zählt nicht nur, dass einzelne Komponenten laufen, sondern dass das Gesamtsystem stabil funktioniert, sauber parametriert ist und Fehlersuche nachvollziehbar bleibt. Genau diese Qualitätskultur macht den Bildungsgang so wertvoll für Betriebe und Kunden.“

Aus der Praxis: Warum Betriebe GSI brauchen – und was sich auf der Baustelle entscheidet

Gesucht werden Nachwuchskräfte, die nicht nur montieren, sondern Zusammenhänge erkennen, Schnittstellen steuern und Projekte koordinieren, also perspektivisch auch Projektleitungsaufgaben übernehmen können. „Viele Betriebe haben mir gesagt, dass einer der Hauptgründe für die Ausbildung der GSI die Nachfrage nach Projektleitern in ihren Unternehmen ist“, erklärt Obermeister Sven Ohligschläger. „Durch das breite Spektrum, das in der Ausbildung vermittelt wird, werden die jungen Menschen gut darin geschult und befähigt, Projekte zu überblicken und dadurch projektieren zu können.“

Wie wichtig diese Rolle ist, zeigt sich besonders auf Baustellen, auf denen mehrere Gewerke parallel arbeiten: PV-Anlage auf dem Dach, Speicher im Keller, Wallbox separat, Wärmepumpe von einem anderen Gewerk. Häufig funktionieren die Einzelkomponenten, aber das System als Ganzes bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. „Dazu muss ich zunächst das aktuelle Problem auf der Baustelle erläutern“, so Ohligschläger. „Eine Photovoltaikanlage wird auf dem Dach montiert und der Stromspeicher im Keller installiert. Der Kfz-Händler liefert und installiert die Wallbox, während der SHK-Installateur die Wärmepumpe liefert. Leider kommunizieren die einzelnen Gewerke nicht miteinander. Genau an diesem Punkt soll der Gebäudesystemintegrator eingreifen.“

Der Mehrwert liegt dabei nicht nur in Komfort, sondern vor allem in intelligentem Energiemanagement – also in der Frage, wie Energie im Gebäude sinnvoll genutzt wird, statt unkoordiniert zu verpuffen oder ungünstig ins Netz zu gehen. „Ich möchte, dass meine Photovoltaikanlage im Sommer, wenn sie viel Strom produziert und der Energiespeicher voll ist, mein Elektroauto lädt und die Vorlauftemperatur des Warmwasserspeichers um zehn Grad erhöht“, beschreibt Ohligschläger ein typisches Zielbild. „So wird die überschüssige Energie sinnvoll genutzt. Der Schlüsselbegriff hier ist Eigenverbrauch.“

Auch wirtschaftlich ist das für viele Kundinnen und Kunden entscheidend: Eigenverbrauch spart teuren Netzstrom, statt Einspeiseerlöse zu optimieren. „Tatsächlich erhalte ich für die Einspeisung von Strom 6 Cent pro Kilowattstunde, während ich für den Einkauf 40 Cent pro Kilowattstunde bezahlen muss“, so Ohligschläger. „Daher ist der Eigenverbrauch neben den ökologischen Vorteilen finanziell deutlich vorteilhafter. Hier knüpft der GSI an: Er vermittelt mit seinem Fachwissen zwischen den Gewerken.“

Warum die Fachinnung für Elektrotechnik Aachen hier ein Schlüsselpartner ist

Die Innung steht in der Region für Innovation und Verlässlichkeit. „Wir haben uns als Innung Aachen bewusst intensiv eingebracht. Unsere Betriebe wissen, wo Schnittstellen in der Praxis haken und welche Kompetenzen junge Fachkräfte brauchen, um Gebäudeautomation, Energiemanagement und Sicherheitstechnik zuverlässig zusammenzuführen. Genau dieses Praxiswissen wollten wir in die Ausbildung als Investition in Qualität, Nachwuchs und die Zukunftsfähigkeit unseres Handwerks einfließen lassen.“, ist Sven Ohligschläger überzeugt.

Die Fachinnung für Elektrotechnik Aachen bietet auch gerne zu diesem Ausbildungsberuf eine Informationsveranstaltung an. Melden Sie sich bei Interesse gerne bei der Kreishandwerkerschaft Aachen.