Baustellen in Aachen: Bessere Verfahren statt mehr Kontrolle
Wie lassen sich Baustellen in Aachen sicher organisieren, ohne Betriebe mit vermeidbarem Aufwand zu belasten? In der Diskussion um Baustellenkontrollen hat die Kreishandwerkerschaft Aachen Position bezogen. Ihr Hauptgeschäftsführer Yannic Schmitt widerspricht der Einschätzung, mehr Kontrollen seien die entscheidende Antwort. Aus Sicht der KH liegen wesentliche Probleme vielmehr in den bestehenden Verfahren.
Anlass ist die Diskussion über Baustellenabsperrungen im Aachener Stadtgebiet. Nach Angaben der Stadt wurden 2025 insgesamt 3.185 Verkehrsanordnungen für Tiefbaustellen und Mobilkräne ausgestellt. Bei 2.242 Kontrollen wurden an rund 200 ordnungsgemäß begonnenen Baustellen starke Mängel festgestellt. Die Stadt verwies unter anderem auf fehlende Rampen für die Barrierefreiheit und Probleme bei Notgehwegen.
Für die Kreishandwerkerschaft ergibt sich daraus ein differenzierteres Bild. „Das Handwerk arbeitet zuverlässig“, betont Yannic Schmitt. Rund neun von zehn kontrollierten Baustellen seien ohne die genannten starken Mängel geblieben. Ein flächendeckendes Qualitätsproblem lasse sich daraus aus Sicht der KH nicht ableiten.
Warum Baustellen zeitweise verwaist wirken
Ein Punkt, der regelmäßig für Unverständnis sorgt, sind Baustellen, an denen zeitweise niemand arbeitet. Dahinter steckt jedoch häufig der normale Bauablauf. Zunächst öffnet ein Tiefbaubetrieb die Grube. Anschließend folgen beispielsweise Arbeiten an Versorgungsleitungen. Erst danach kann verfüllt und die Oberfläche wiederhergestellt werden. Selbst wenn alle Termine eingehalten werden und das Wetter mitspielt, kann eine Baustelle dadurch rund zwei Wochen bestehen bleiben.
Auch bei den Genehmigungsverfahren sieht die KH Verbesserungspotenzial. Verkehrsanordnungen müssen frühzeitig beantragt werden. Für kleinere Maßnahmen würden Betriebe deshalb teilweise längere Zeiträume einplanen, weil spätere Verlängerungen zusätzliche Kosten verursachen. Die KH schlägt beschleunigte Verfahren für Standardbaustellen und gebührenneutrale Verlängerungsmöglichkeiten vor.
Kritisch sieht sie außerdem zusätzliche Sondernutzungserlaubnisse für kurzfristig eingesetzte Container innerhalb bereits genehmigter Baustellen sowie die Abläufe bei Notmaßnahmen. Bei einem Rohrbruch müsse ein Betrieb unmittelbar handeln können. Aus Sicht der KH hat sich das bisherige Verfahren bewährt, bei dem zunächst gesichert und dokumentiert und die Verkehrsanordnung anschließend nachgezogen wird.
Sicherheit bleibt Maßstab
Dabei stellt die Kreishandwerkerschaft nicht infrage, dass sicherheitsrelevante Verstöße geahndet werden müssen. Bei kleineren Beanstandungen setzt sie jedoch auf direkte Kommunikation und pragmatische Lösungen statt einer schnellen Eskalation.
Genau hier zeigt sich, warum Interessenvertretung durch Kreishandwerkerschaft und Innungen wichtig ist: Betriebe bringen ihre Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag ein. Die KH bündelt diese Rückmeldungen und trägt sie in die Gespräche mit Verwaltung und weiteren Beteiligten.
„Wir müssen reden, nicht drohen, um sichere Baustellenabläufe zu optimieren“, fasst Yannic Schmitt die Position zusammen. Konstruktive Gespräche und gemeinsame Vor-Ort-Termine könnten dazu beitragen, Sicherheit und praktikable Abläufe miteinander zu verbinden.‘
Lesen Sie hier den gesamten Artikel von Robert Esser in der Aachener Zeitung.